Zwischen Aufbruch, Bruch und Neubeginn Königsdorf 1930 - 1946
Als in den 1930er Jahren die ersten Handballspiele in Königsdorf ausgetragen wurden, konnte noch niemand ahnen, welche Entwicklung dieser junge Sport im Ort einmal nehmen würde. Was zunächst als lose organisierte Freizeitbeschäftigung auf einfachen Plätzen begann, entwickelte sich mit bemerkenswerter Dynamik zu einer ernstzunehmenden sportlichen Aktivität, die immer mehr Menschen begeisterte und zusammenbrachte. Die Spieler trafen sich regelmäßig, trainierten unter einfachen Bedingungen und wuchsen mit jeder Partie enger zusammen – nicht nur als Mannschaft, sondern auch als Gemeinschaft.
Diese Entwicklung fand im Jahr 1933 ihren ersten sportlichen Höhepunkt, als der Aufstieg in die 1. Kreisklasse gelang. Für eine noch junge Abteilung in einem Dorfverein war dies ein beachtlicher Erfolg, der zeigte, welches Potenzial in der Mannschaft und in der Idee des Handballs in Königsdorf steckte. Doch diese Phase des Aufschwungs sollte nicht von Dauer sein, denn schon wenige Jahre später wurde die Entwicklung jäh unterbrochen – nicht aus sportlichen Gründen, sondern durch die politischen und gesellschaftlichen Umstände jener Zeit.
Mit den einschneidenden Maßnahmen des damaligen Regimes ab 1935 veränderte sich das Leben vieler junger Menschen grundlegend. Die Einführung von Arbeitsdienst und Wehrpflicht führte dazu, dass zahlreiche Spieler ihre sportliche Heimat verlassen mussten, um anderen Verpflichtungen nachzukommen. Besonders schwer traf es die Handballabteilung, als gleich sieben Spieler der ersten Mannschaft eingezogen oder zum Arbeitsdienst verpflichtet wurden. Für eine kleine Gemeinschaft war ein solcher Verlust nicht zu kompensieren, sodass die Abteilung schließlich aufgelöst werden musste. Was mit so viel Engagement aufgebaut worden war, kam abrupt zum Stillstand.
In den folgenden Jahren trat der Handball in Königsdorf in den Hintergrund, überlagert von den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs und seinen Folgen. Dennoch blieb die Erinnerung an den Sport und die gemeinsame Zeit lebendig, getragen von den Menschen, die ihn einst mit Leidenschaft betrieben hatten. Diese Erinnerung wurde schließlich zur Grundlage für einen neuen Anfang.
Im Februar 1946, in einer Zeit, in der vieles im Land zerstört war und der Alltag von Entbehrungen geprägt wurde, trafen sich sieben Männer im Lokal Vogel an der Aachener Straße, um genau diesen Neuanfang zu wagen.
Die Namen sind überliefert:
- Heinz Lapp
- Hubert Schillings
- Hermann Schlagwein
- Franz Spindler
- Josef Reitmeyer
- Josef Schlüssel
- Hubert Schlüssel
Sie gehörten zu denjenigen, die den Mut und die Entschlossenheit aufbrachten, die Handballabteilung wieder ins Leben zu rufen – nun unter dem Dach des neu formierten TuS Königsdorf 1900 e.V., der aus dem Zusammenschluss der bestehenden Vereine „Turnverein Großkönigsdorf 1900“ und „Sportclub Blauweiß Königsdorf 1920“ hervorgegangen war.
Der sportliche Neubeginn gestaltete sich jedoch alles andere als einfach. Es fehlte an Spielern, an Material und an Strukturen, sodass in den ersten Monaten oft improvisiert werden musste. Dennoch überwog der Wille, den Handball wieder zu etablieren und Schritt für Schritt aufzubauen. So trat die Mannschaft zu ihrem ersten Spiel beim ESV Horrem an – mit unvollständigem Kader und unter schwierigen Voraussetzungen. Die deutliche 1:11-Niederlage spiegelte die Ausgangslage wider, doch sie markierte zugleich einen wichtigen Moment: Theo Krug erzielte das erste Tor der neuen Mannschaft und setzte damit ein kleines, aber bedeutendes Zeichen dafür, dass der Handball in Königsdorf wieder lebte.
Rückblickend ist es nicht allein der sportliche Erfolg der frühen Jahre, der diese Geschichte prägt, sondern vor allem die Fähigkeit zum Neubeginn unter widrigen Umständen. Die Männer, die 1946 den Mut fanden, die Abteilung neu zu gründen, legten den Grundstein für alles, was sich in den folgenden Jahrzehnten entwickeln sollte. Ihr Einsatz und ihre Überzeugung zeigen bis heute, dass Handball in Königsdorf immer mehr war als nur ein Spiel – nämlich Ausdruck von Gemeinschaft, Zusammenhalt und der Bereitschaft, auch nach schwierigen Zeiten wieder nach vorne zu schauen.
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